Wie alles begann …
Mit 17 Jahren wurde in mir das Interesse für Motorräder geweckt, aus dem eine Leidenschaft für die BMW Maschinen entstand. Der viel ältere Schulfreund meines Bruders hatte mich auf seiner goldfarbenen R75/5 zur Berliner Spinnerbrücke mitgenommen, und beim Absteigen war ich mit meiner höchst modischen Schlaghose am hinteren Blinker hängengeblieben und hatte uns beide vor großem Publikum in den Staub des Parkplatzes gerissen. Großes Gelächter! Was für ein Einstand!
Aber mich ficht das nicht an. Ich wollte auch so eine Maschine fahren.
In den Sommerferien verbrachte ich sechs Wochen als Hilfsarbeiter auf dem Bau, und die Betonbauer nahmen mich als Hilfskraft in ihre Kolonne auf. 16,- DM/Std. Akkordlohn bescherten mir 5.400,- DM Einstandskapital.
Den Führerschein bestand ich unter abenteuerlich winterlichen Bedingungen auf vereisten Berliner Straßen mit einem BMW R68 Gespann, das später seinen neuen Besitzer in Italen fand. Ich hätte es gerne übernommen, aber für einen Verkauf war es noch zu früh. Dafür fand ich beim renommierten Motorradhändler Verworner zwar keine R75/5, aber immerhin eine R60/5, mit der auch das übrige Akkordarbeitsgeld drauf ging.
Diese Maschine war das Beste, was mir passieren konnte.
Nicht nur, dass sie auf dem Gymnasium das einzige Motorrad zwischen all den Schülerfahrrädern war, sie trug mich zweimal zum Elefantentreffen und einmal sogar zum Eisbärentreffen nahe Ulm, wo ich mit ihr bei 20cm Schneelage den Pokal für den "Tollsten Vogel" zugesprochen bekam.
Seit den Elefantentreffen ziert ein Maskottchen das vordere Schutzblech und gab ihr den Namen "Die Schwarze mit dem weißen Elefanten". Und mir bescherte diese Maschine bereits damals aus dem Freundeskreis meinen Spitznamen "BMW-Peter". Ich habe Sie nie wieder hergegeben und noch heute klebt Sie mir wie ein lebendiges Stück meiner selbst unter meinem Hintern.
Der Schulfreund meines Bruders, Peter Rothe, der mich so angefixt hatte, begeisterte mich damals auch mit der Restaurierung seiner alten Tornax, genauso, wie sein Kumpel "Zosse" mit seiner historischen Ardie.
Der Schritt zum Kauf eines Oldtimers ließ nicht lange auf sich warten, und schon bald hatte ich eine BMW R25/2, die ich im Keller meiner Mietwohnung restaurierte. Der Seitenwagen Steib LS200 war der eigentliche Hingucker, und mein Freund Hendrik Buthenuth, Sohn des bekannten Berliner Fordhändlers, bescherte mir völlig uneigennützig die professionelle Lackierung in der Werkshalle seines Vaters.
Mein erster Oldtimer stand perfekt da.
Bald kamen weitere Restaurierungsobjekte dazu: Da fand die BMW R67/2 meines Freundes Detlef Lieding nach einem Gabeltreffer den Weg in meine neue Garage, …
… eine EMW kam dazu, …
… aus der Zehlendorfer Studentenkneipe "Linde" erstand ich meine erste und ziemlich seltene BMW R20 und fand kurze Zeit später beim einem Bootsmotorenbauer in Wannsee noch eine zweite dazu.
Auch eine BMW R2 der 2. Serie und eine BMW R2 der 4. Serie bereicherten meine Sammlung.
Schließlich erwarb ich sogar noch zwei BMW R 60/7 Polizeimaschinen aus der behördlichen Versteigerung.
Mit diesen "modernen" Motorrädern wurde ich jedoch nicht froh und gab sie an einen Bekannten weiter.
Der Höhepunkt aber war eine BMW R62, die ich dem Sammler Peter Wieg aus seinem umfangreichen Keller in der Keithstraße abkaufen konnte, für damalige freundschaftliche 4.500,- DM.
Ach ja, ich bin auch mal fremd gegangen. Als mir eine 200er Ilo Express und eine NSU Quickly als Geschenk angeboten wurden, habe ich nicht abgelehnt. Die Ilo Express habe ich meinem von Motorrädern begeisterten Arbeitskollegen und Freund "Sunny" weiterverschenkt, und mit der Quickly bin ich in Uniform über den Parkplatz meiner Polizeidienststelle, der Sammelstelle für Ausländer in der Tiergartener Kruppstraße, gedüst.
Doch so, wie die Sammlung wuchs, vergrößerte sich auch unsere Familie. Vier kleine Kinder brauchten Platz, und 1986 verließen wir Zehlendorf und bezogen eine wunderschöne geräumige Wohnung in einem über hundert Jahre alten Fachwerkhaus in Lichterfelde-West, dem sogenannten West-Bazar. Die Renovierung der Wohnung verschlang allerdings soviel Geld, dass ich mich 1989 schweren Herzens von meiner gesamten Sammlung trennen musste.
Für die nächsten 23 Jahre blieb die R 60/5 mein einziges Pferd im Stall. Aber die Passion blieb und die Sammelleidenschaft ließ mich nicht mehr los. 2012 begann ich erneut mit dem Restaurieren. Wieder führte eine BMW R25 den Reigen an und bekam 2 Jahre später auch einen Steib LS 200 an die Seite gestellt. Weitere Maschinen folgten, bis der Bestand 2023 auf
30 Exemplare angewachsen war. Die einzelnen Historien zu diesen Modellen finden sich unter den jeweiligen Modellrubriken.
Wo allerdings lässt man in einer Großstadt 30 Motorräder, insbesondere bei den horrenden Garagenmieten? Es gelang mir, fünf Gehminuten von unserer Wohnung entfernt nach und nach vier Garagen von drei verschiedenen Besitzern in ein und demselben Garagenhof zu mieten. Doch wo Sonne scheint, da fällt auch Schatten, oder anders: extremer Starkregen setzte die Garagen immer mal wieder unter Wasser. Dazu kam die stetige Sorge, aus Eigenbedarf gekündigt zu werden. Und der Weg zu den Garagen wurde nicht selten zu einem mehrfachen hin und her, wenn ich bestimmtes Werkzeug vergaß. Außerdem reichten vier Garagen lange nicht für 30 Maschinen.
Nachdem unsere Kinder pflügge geworden und ausgezogen waren, richtete ich der schönsten Ehefrau von allen nicht ganz uneigennützig in einem der frei gewordenen Räume ein Ankleidezimmer mit begehbarem Kleiderschrank und zwei mit Glastüren versehenen und innen beleuchteten Bauernschränken für ihre umfangreiche Schuhsammlung ein. Zum Dank erhielt ich die Erlaubnis, zwei Motorräder in die Wohnung zu dekorieren.
Und wie bekommt man diese 160-kg-Exemplare in die 3. Etage? Ganz einfach, wir hatten ja drei erwachsene und durchtrainierte Jungs. Vier Mann, vier Ecken, wuchteten wir die Maschinen durchs Treppenhaus nach oben.
Auf diese Weise zog ich mir auch einen bösen Miniskusriss zu, der mich eine Weile außer Gefecht setzte.
Aber weitere zugekaufte und zu restaurierende BMW wollten untergebracht werden. Auf dem Trockenboden, der sich an die Dachetage unserer inzwischen zweistöckigen Wohnung anschloss und nur von uns genutzt wurde, trennte ich mir einen gut getarnten Dachverschlag ab, und verwandelte diesen zu einem kleinen Spiegelkabinett. Die nächsten 6 Maschinen fanden darin Platz.
Auch ihr Weg führte sie durchs Treppenhaus. Allerdings nicht mehr unter Beteiligung unserer Jungs. Die waren inzwischen aus Berlin weggezogen. Eine andere Lösung musste her. Und die saß um 23 Uhr auf dem Kinderspielplatz. Eine Truppe Jugendlicher traf sich dort allabendlich zum Abhängen. Für jeweils einen Kasten Schultheiss-Silberhals pro Maschine waren sie, nachdem der starke Hermann ein 60-kg-Mädel probeweise hochgestemmt hatte, bereit, mir zu helfen. Vier Jungs schwitzen nicht schlecht, aber nach sechs Kästen Bier war das Problem gelöst.
Dann kam der große Umbruch, ein massiver Einschnitt in unserem Leben. Eine neue Hausbesitzerin missgönnte uns unseren Dachgeschossausbau und die angrenzende Dachbodennutzung entlang des bauamtlich verfügten zweiten Fluchtweges und ließ uns durch ihren Rechtsanwalt viermal in vier Jahren eine fristlose Kündigung angedeihen. Mit anwaltlicher Unterstützung wehrten wir uns jedesmal erfolgreich dagegen, aber nach diesen vier Jahren lagen die Nerven blank. Doch ich war ja erst 68 Jahre alt und meine Frau vier Jahre jünger. Also fassten wir den Entschluss: wir machen einfach was anderes. Wir wollten nur noch weg aus Berlin und am liebsten in der Nähe eines unserer Kinder wohnen. Unsere Tochter hatte ins Wiehengebirge nach Lübbecke geheiratet, und sie fand für uns ein Haus "hinterm Berg" in Ahlsen.
Und zu diesem Haus gehörte ein weiteres gemauertes und unterkellertes Gebäude mit geräumigem Dachboden, eine alte Tischlerei, die 20 Jahre zuvor dicht gemacht hatte.
Die 170 m² Hallenfläche waren genau das, was wir für meine 30 Motorräder brauchten. Unser Entschluss stand fest, die Commerzbank übernahm den Großteil der Kosten, und wir packten unsere Sachen.
Das allerdings schreibt sich leichter nieder, als es war. In fast 50 Jahren Gemeinsamkeit hatten wir einen riesigen Hausstand und große alte Stilmöbel angehäuft, nicht zu vergessen, die 30 Motorräder.
Ein großer Anhänger für meinen geräumigen Ford Windstar war schnell gekauft, und mit jeweils 1.200 kg Umzugsgut im Gepäck nahm ich 14 mal die 730 km hin und zurück unter die Räder.
Doch die schweren alten Stilmöbel mussten ja auch rüber. In Berlin gab es nur noch drei große Umzugsunternehmen, die den Transport unseres Mobiliars logistisch und personell leisten konnten. Eines davon stand in freundschaftlich-harmonischer Verbundenheit mit meinem Buddelkastenfreund Stefan.
Chef Jörg bekam mit seiner unglaublich sympathischen Truppe um Heiko "Prinzesschen Chantalle", Tobi und den anderen starken Männern alles perfekt auf zwei Lkw und einen Anhänger verladen und am nächsten Tag rollten alle in Richtung Wiehengebirge.
Und selbst der über 80-jährige Seniorchef ließ es sich nicht nehmen, bei so einem außergewöhnlichen Umzug persönlich mitzufahren.
Das zerbrechlichste Umzugsgut war allerdings meine inzwischen 97-jährige Mutter, die wir bereits seit sechs Jahren bei uns zuhause gepflegt hatten. Meine Mutter hatte bereits den Pflegegrad 5 und wurde bei unserem letzten der 14 Windstargespanntransporte sanft in Ihr Bettdeck auf den Rücksitz verfrachtet.
Alte Bäume verpflanzt man nicht, heißt es. Davon schien meine Mutter noch nichts gehört zu haben. Sie war die ganze Fahrt über quietschvergnügt und freute sich schon aufs neue Zuhause.
Das war aber "nur" der der Umzug mit unserem Hausstand. Was war mit den 30 Motorrädern?
Nun, für jedes Problem hat der liebe Gott eine Lösung parat. Auf einem Parkplatz unserer neuen Heimatgemeinde entdeckte die Schwägerin unserer Tochter wie aufs Stichwort einen schweren LKW mit Sattelauflieger und der vielversprechenden Aufschrift " Bikertransport Hüllhorst". Ich schilderte der Chefin Janet Böhne unsere prekäre Lage und sie hatte die perfekte Lösung. Der Trucker dieses schweren Geschosses, "Tom On Tour", hatte passend im November einen Motorradtransport nach Berlin mit anschließender Leerfahrt nach Hüllhorst zurück. Das wurde unsere Gelegenheit. Während mein Freund Tommy Karkhoff ein perfektes Video unseres Abgangs erstellte, verluden Tom und ich alle Maschinen und Zubehör nebst Seitenwagen zur Hälfte in den Sattelauflieger, dann fuhr Tom die an Ketten hängende Zwischenplattform mit den Maschinen bis kurz unter die Decke hoch und hatte im unteren Teil der Ladefläche nun noch einmal soviel Platz für den Rest der Motorräder. Dann verließ Tom gut gelaunt die Stadt mit meiner kostbaren Ware.
Am nächsten Morgen folgte ich “Tom On Tour” bei winterlichem Novemberwetter mit einem weiteren 1,2 t Ford Winstar-Anhängertransport ins Wiehengebirge, und bei Schnee und Eis rangierte der coole Typ den riesigen Sattelzug rückwärts durch die schmalen Sträßchen unseres neuen Heimatvorörtchens bis kurz vor das neue Zuhause meiner Maschinen.
Schwiegersohn Janis und sein Vater Wolfgang packten ordentlich mit an, und gemeinsam schafften wir die Motorräder wieder auf festen Boden.
Die letzten 100 m mussten die BMW rutschend und schlitternd auf eigener Achse bewältigen.
Dann aber waren alle Motorräder endlich vereint und sicher in eigenen vier Wänden gemeinsam untergebracht.
Die ganz alten Oldtimer fanden ihren Platz zusammen mit all dem bereits herbeigeschafften Umzugsgut in der großen Halle der ehemaligen Tischlerei.
Und die fünf dicken Youngtimer schloss ich gut gesichert in der Pkw-Garage ein. Für meine typische Berliner Ursorge vor Diebstählen sollte ich von meinem Schwiegersohn und den neuen Nachbarn hier schon bald belächelt werden. Die Statistik weist den Mühlenkreis Minden-Lübbecke als sehr kriminalitätsarm aus, und in diesem Ranking nimmt Hüllhorst auch noch den untersten Platz ein! Und in unserem Ortsteil Ahlsen ist das bislang schwerste Verbrechen der Eierwurf eines jugendlichen Kindskopfs auf die Eingangstür eines Mitschülers gewesen. Nicht zu verschweigen die aufmerksamen Nachbarn, die uns sofort informieren, wenn ein fremdes Fahrzeug vor dem Grundstück steht.
Welch ein Paradies für wertvolle Motorräder!
Machen
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