Ich war als Jugendlicher früh fasziniert von den legendären Strichfünfer-BMW R 50/5, R 60/5 und R 75/5, den Nachfolgemodellen der berühmten BMW R 69 S, und mit 17 Jahren hatte ich mir während der Schulferien auf dem Bau genügend Geld erarbeitet, um neben dem Führerschein auch eine BMW bezahlen zu können. Eine begehrte R 75/5 war zwar mit dem Geld nicht zu bekommen, aber beim renommierten Motorradhändler Verworner stand eine ein halbes Jahr alte BMW R 60/5 im Angebot, deren Vorbesitzer sich damit lang gemacht und die Nase voll vom Motorradfahren gehabt hatte. Für 3.700,- DM ging sie in meinen Besitz über. 
Ich platzte vor Stolz und konnte es kaum abwarten, die Pappe, den grauen Führerschein, in den Händen zu halten, um sie fahren zu können.
Doch ich musste erst noch lernen diese Solomaschine zu fahren, denn ich hatte auf einem Gespann die Ausbildung und Fahrprüfung gemacht. So drehte ich heimlich in einer Tiefgarage Runde um Runde, bis ich mich mit meiner BMW in den Straßenverkehr stürzen konnte.

BMW R 60/5

Die “Schwarze mit dem weißen Elefanten”

Was für ein Ereignis, als ich morgens damit auf den Schulhof rollte. Ich war ja noch Schüler und stand kurz vor dem Abitur. Zu dieser Zeit gab es noch keine Helmpflicht in Deutschland, aber Sicherheit ging vor. Neben vernünftigen Lederhandschuhen und dicken Motorradstiefeln ergänzten eine teilbare Lederkombi von Harro und ein Römer-Integralhelm meine Ausrüstung. Nicht nur die 600er BMW, sondern auch der Helm ist immer noch in meinem Besitz.

Nicht nur, dass die 600er BMW auf dem Gymnasium das einzige Motorrad zwischen all den Schülerfahrrädern war, sie trug mich 1974 und 1975 zweimal zum Elefantentreffen …

… und einmal sogar zum Eisbärentreffen nahe Ulm, wo ich mit ihr bei 20cm Schneelage den Pokal für den "Tollsten Vogel" zugesprochen bekam.

Seit den Elefantentreffen ziert ein Maskottchen das vordere Schutzblech und gab ihr den Namen "Die Schwarze mit dem weißen Elefanten". Und mir bescherte diese Maschine bereits damals aus dem Freundeskreis meinen Spitznamen "BMW-Peter".

Ich habe diese Maschine nie wieder hergegeben, und noch heute klebt Sie mir wie ein lebendiges Stück meiner selbst unter meinem Hintern.
Die ersten beiden Jahre auf dieser BMW waren auch gleich die intensivsten. Meine jugendliche Unerfahrenheit und mein Übermut in dieser Sturm- und Drangzeit bescherten mir meine fünf schwersten Unfälle.  Passiert ist mir selbst dabei nie etwas, obwohl ich mich zweimal sogar regelrecht überschlagen habe, aber die arme BMW hatte mächtig dabei gelitten. Mal war der halbe Lenker abgerissen, so dass ich die verbeulte und zerschrammte Maschine ohne zu kuppeln nach Hause fahren musste, aber meist war mindestens ein Standrohr der Vordergabel verbogen. In die Werkstatt geben kam für mich finanziell nicht in Frage, und so lernte ich schon früh das eigenhändige Schrauben.

Und ich veränderte nach jedem Unfall das Aussehen der 600er BMW. 

Auch kilometermäßig riss ich in den ersten zwei, drei Jahren einiges herunter. Im Winter gings zu Weihnachten nach Österreich in die Berge, …

Oberstdorf

… im Sommer dann an die italienische Mittelmeerküste und bis nach Rom.

Brenner Autobahn

Carrara

Marmorbruch Carrara

Pisa

Der Grund für meine Tour nach Rom:

Und jedes zweite Wochenende besuchte ich ein Motorradtreffen in  Westdeutschland: Hilchenbach, Lingen, Kahl am Main, Obing, Lendersbach, um nur einige zu nennen. 30.000 km addiert der Tacho in dieser Zeit dazu. Für die weiteste Anfahrt von Rom bis hoch nach Möhnsen bei Hamburg an einem Tag erhielt ich sogar einen Pokal.  

Und immer begeisterte ich mich auf den Motorradtreffen für alte BMW, wie diese R63.

Meist war ich, dem jugendlichen Alter entsprechend, mit leichtem Gepäck und lauten Auspufftöpfen unterwegs.

Meine Krauser-Koffer sahen nach kurzem tapeziert aus, wie ein Überseekoffer aus den 30er Jahren.

Und meine alte Jeanskutte legt auch heute noch Zeugnis ab von den erlebten Touren auf der “Schwarzen mit dem weißen Elefanten”.

Das Beste am Motorradfahren aber ist die Liebe im Rücken: die schönste Ehefrau von allen; hier bei einergemeinsamen Fahrt nach Wien.

Mein Einstieg bei der Polizei bremste schließlich meine Reiselust auf zwei Rädern erheblich herunter.
Und mit zunehmendem Alter und einer gewissen, wenn auch geringen Reife begann ich mich nun für die Originalität der schönen BMW zu begeistern. So wurde meine "Schwarze mit dem weißen Elefanten" wieder in ihren Ursprungszustand zurück gebaut und blieb bis heute so erhalten.

Als Jäger bin ich mit der 600er BMW natürlich auch einige Male jagdlich unterwegs gewesen.

Inzwischen hat die “Schwarze mit dem weißen Elefanten” bereits 160.000 km auf der Uhr, und mein ebenfalls motorradaffiner Sohn Florian hat mir Motor und Getriebe generalüberholt. 2024 hatte ich die schöne Maschine nun schon 50 Jahre unter dem Hintern und war regelrecht mit ihr verwachsen.

Nun wieder sanft schnurrend hat sie mich in unserem 51. Jahr durch Schweden getragen.

Eine einzigartige Maschine, die ich nicht mehr missen möchte.